Zweiradakrobaten

Hallo meine lieben Enkelkinder,

Als ich mit Oma in Europa war, haben wir an einer Radtour teilgenommen. Zweihundert Kilometer in wenigen Tagen.  In Deutschland erntet man dafür ein müdes Lächeln. In Indonesien hingegen sind es Staunen bis Misstrauen. Warum radelt man in Europa auch hunderte Kilometer wenn es Autos, Bus und Bahn gibt.

Genau anders herum ist es beim Eingangsfoto. Derartige Kunststücke gehören hier gewissermaßen zum Alltag. Trotzdem staunt der Resteuropäer in mir jedes mal aufs neue.

Ach und bevor ich es vergesse – Macht das auf keinen Fall nach!

Es brennt

Hallo meine lieben Enkelkinder,

Manchmal staunt Opa, wie indonesisch er inzwischen geworden ist. Jacke und Handschuhe bei dreißig Grad im Schatten, Reis zu jeder Mahlzeit und ein Fahrstil, der noch schlimmer ist, als während meines Zivildienstes.

Doch es gibt auch Momente, in denen mich dieses schöne Land verstört.  Bei der Müllentsorgung zum Beispiel. Ich brauche keine dreihundert Meter zu laufen um zu sehen, wo mein Hausmüll landet: Nämlich auf einer Wiese hinter meiner Siedlung, wo er dann von ein paar Ziegen gefressen wird. Was die Ziegen nicht schaffen, wird einmal im Jahr einfach verbrannt. So geschehen vergangenes Wochenende.

Der Zeitpunkt ist denkbar günstig. Die meisten Anwohner sind zu ihren Familien aufs Land gefahren um das Ende des islamischen Fastenmonat zu feiern. Ist auch besser so, denn wer will sich schon freiwillig einer von den Abfällen des vergangenen Jahres räuchern lassen.

Opa hatte übrigens Glück; der Wind stand günstig.

Ramadan

Hallo liebe Enkelkinder,

Meine Wahlheimat Surabaya wirkt gerade wie ausgestorben. Und das nicht nur in der kleinen abgelegenen Siedlung, in der ich wohne. Selbst die großen Hauptstraßen sind erschreckend leer. Das liegt daran, dass wir gerade den Ramadan hinter uns gebracht haben und dass alle zu ihren Familien aufs Land gefahren sind.

Keine fliegenden Händler die hupend durch meine Straße knattern, kein Streetfood und keine Hausfrauentreffen. Opa gefällt das.