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Sprachenmeer

Liebe Enkelkinder,
in Indonesien ist das Meer nie weit. Knapp 17.000 Inseln soll es geben. Von der zweitgrößten Insel nach Grönland bis hin zur Sandbank sind alle Größen vertreten. Dazwischen unendliches Blau. Weiter als bis zum Horizont. Denn Indonesien ist groß. Neben nautischen Superlativen hat Indonesien vor allem sprachliche Superlative zu bieten.
Abgesehen von Papua-Neuguinea gibt es in keinem anderen Land der Welt mehr Sprachen, als in Indonesien. Insgesamt 700 sollen es sein.
Doch diese Vielfalt hat ihren Preis. Zum Beispiel darin, dass Bahasa Indonesia, immerhin erste Amtssprache, deutlich weniger Muttersprachler hat als Deutsch. Einige Statistiken sprechen von weniger als 40 Millionen. Und das bei einer Bevölkerung von mehr als 260 Millionen Menschen. Allerdings sollte man sich nicht zu sehr von der hohen Zahl an Sprachen täuschen lassen. Das meiste verteilt sich auf ein paar wenige Regionalsprachen.

Javanesisch zum Beispiel. Das spricht man vor allem auf Java und somit auch in Surabaya.
Javanesisch verwendet eigene Schriftzeichen und kennt sogenannte Sprachebenen. Dabei handelt es sich um verschiedene Sprachformen, die je nach sozialem Kontext verwendet werden. Hätte ich beispielsweise die Ehre, dem Sultan in Yogyakarta die negativen Effekte des Deutschen Außenhandelsdefizit zu erklären, dann müsste ich andere Vokabeln verwenden, als wenn ich meinem gleichaltrigen Nachbarn das Thema erklären würde.

Für knapp achtzig Millionen Menschen ist Javanesisch die Muttersprache. Wenn ich in Surabaya auf meinem Weg nach Hause aber einmal falsch abbiege, so gelange ich nach einer etwa zehn Minuten langen Fahrt über die ikonische Sura-Madu Brücke auf die Insel Mardua. Dort wäre ich dann mit meinen Javanesisch-Kenntnissen aufgeschmissen, denn auf Mardura spricht man Maduranesisch. Beide Sprachen sind zwar verwandt, aber das sind Deutsch und Englisch auch.

Aber es braucht gar keine Autofahrt nach Madura.
Ist mein Nachbar beispielsweise der Nachfahre von Überseechinesen, so besteht die Chance, dass er in seiner Kindheit als erste Sprache Mandarin gelernt hat.

Ihr merkt, liebe Enkelkinder, Sprachen sind in Indonesien ein spannendes Thema.

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Dort Wo Gott Wohnt

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Hallo meine lieben Enkelkinder,

kennt ihr das auch: Ihr kommt mach einer durchzechten Nacht nach Hause und der Imam hat bereits zum Gebet gerufen? Wie, kennt ihr nicht? Dann lebt ihr wahrscheinlich in Deutschland und ich muss euch jetzt einiges erklären.

1. Die meisten Rufe zum Gebet kommen in Wirklichkeit vom Band.

2. Neben einer Moschee wohnen? Schlechte Idee. Sehr laut und dauernd Falschparker, die dir die Einfahrt zuparken.

3. Moscheen gibt es überall. Vor ein paar Wochen hat erst eine in meiner Siedlung eröffnet. Dreihundert Meter weiter steht die nächste. Im Umkreis von einem Kilometer sind es mindestens drei weitere. Die nächste Schule ist übrigens fünf Kilometer entfernt.

4. Um eine Kirche zu bauen braucht es unzählige schwer zu bekommende Genehmigungen. Für eine Moschee braucht man nur Geld.

5. Jede größere Firma, ist per Gesetz dazu verpflichtet, seinen Mitarbeitern eine Moschee zur Verfügung zu stellen.