Blumen im Dezember

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Hallo meine lieben Enkelkinder,
Surfende Weihnachtsmänner gehören im Deutschen Fernsehen einfach dazu. Wahrscheinlich weil man sich den Sommer wünscht und es dieses Jahr zu Weihnachten wieder keinen Schnee gab. Doch als jemand, der jetzt bereits das fünfte Jahr in den Tropen verbacht hat, kann ich euch versichern, dass es schnell langweilig wird, wenn es das ganze Jahr nie kälter als 24 Grad ist und beinahe täglich die Sonne scheint.

Was bleibt mir aber anderes, als das Beste draus zu machen und Blumen im Dezember zu fotografieren.

Aus dem Archiv: Royaler Besuch in Perleberg

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Erschienen im September 2012 auf Mein-Perleberg.de

Der 24. September 2000 ist lange her. Ein Sonntag war es, Spätsommer. Ich war damals elf Jahre alt, hatte meine zweite “Freundin” und hörte ausschließlich die Ärzte. Damals waren Stadtfeste noch groß, überhapt war alles viel größer. Der 24. September war aber nicht nur ein Sonntag von vielen. Die Prinzen waren nach Perleberg gekommen um im Hagen zu spielen. Eine Band die ich von meinem größeren Cousian kannte, der inzwischen aber auf Eminem umgestiegen war und seine alten Prinzen-CDs im Regal verstauben ließ. Eine Karte hatte ich mir trotzdem besorgt, schließlich kommen die Prinzen ja nicht alle Tage nach Perleberg.
Ich fieberte dem Konzert mehr und mehr entgegen, ohne so recht zu wissen, was mich eigentlich erwartet.
Dann aber der erste Schock, als die Prinzen auf die Bühne kamen. Bass, Gitarre und Schlagzeug spielten eine untergeordente Rolle, stattdessen fünf Typen die ihrem Publikum auf Barhockern gegenüber saßen und die mich damals eher an einen alt gewordenen Knabenchor erinnerten, als an eine richtige Band.
Trotzdem schafften sie es im Verlaufe des Konzerts mein Herz zu erobern. Die Ärzte? Nein ab jetzt waren die Prinzen meine Helden – Zumindest für einen Abend. “Perleberg, wir werden euch nie vergessen”, haben die Prinzen damals zum Abschied gesagt. Ich habe die Prinzen nie vergessen.
Vergangenes Wochenende, nach fast zwölf Jahren beehren die Prinzen Perleberg erneut. Die Prinzen sind älter geworden. Silberpfeil statt blonder Löwenmähne. Auch ich bin älter geworden. Den Stimmbruch habe ich längst hinter mir, die Ärzte höre ich nur noch in nostalgischen Momenten und eine andere Freundin habe ich jetzt auch.
Die Musik ist immernoch die selbe und ein bisschen fühle ich mich wieder wie der kleine elfjährige Stefan auf seinem ersten richtigen Konzert ohne elterliche Begleitung. Aber eben nur ein bisschen.
“Wir sind heute ja nicht das erste mal in Perleberg”, höre ich einen der Prinzen sagen. Innerlich beginne ich zu grinsen und mich darüber zu freuen, dass sie Perleberg nicht vergessen hatten. “Vor kurzem sind wir durch Perleberg gefahren und haben beim Edeka-Markt einen vorzüglichen Döner gegessen.” Das Publikum lacht laut auf und aplaudiert.
12 Jahre sind eben doch eine lange Zeit.

Die Kleinstadt

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Hallo liebe Enkelkinder,
Die Wege des Herren sind unergründlich. Außer als er die Kleinstadt erfunden hat. Denn diesen Ort erschuf er für all Jene, die sich vor der Anonymität der Großstadt genauso fürchten, wie vor Feldern die nach Kuhscheiße stinken.
Hier ist das Leben noch “real”, jeder kennt jeden irgendwie und auf dem Stadtfest spielen Karat oder Keimzeit.
Als Kind ist es hier wahnsinnig aufregend, aber sobald sich sekundäre Geschlechtsmerkmale bilden, träumt man dann doch lieber von der weiten Welt.
Wer bleibt tut es entweder aus Überzeugung oder hat den Absprung verpasst.
Und so begnügt man sich damit Bausparverträge bei der Sparkasse zu verscherbeln oder dem ortsansässigen Landarzt mit den vielen einsamen Omis, die das Wort Sprechstunde etwas falsch verstanden haben, zu helfen.
Für all Jene, die Amazon Prime nicht kennen, es aus ethischen Gründen ablehnen oder beides gleichzeitig tun, gibt es die Innenstadt. Unter der Woche aber nur bis um 6. Denn wer will so spät noch einkaufen gehen?
Stellt sich raus – mehr als gedacht. Weshalb der Supermarkt bis um acht offen hat.
Aber nicht länger. Wir sind ja hier nicht in der Großstadt.
Seit kurzem ist hier auch das Internet schnell und unter der Hand sogar noch etwas schneller. Aber wer braucht das schon.
Ihr merkt schon. Eigentlich hat man hier alles.
Aber damit sich die Stadtmaden aus dem Westen oder der Großstadt nicht zu wohl fühlen, schaffte man kurzerhand viele Einrichtungen des öffentlichen Lebens ab.
Was bleibt sind leere Fenster, ein eisiger Wind und jeden Sonntag etwa ein Dutzend Gläubige, die sich den Willen Gottes in bombastisch großen Kirchen erklären lassen.
Die Wege des Herren sind unbegreiflich.

Opas Garten

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Hallo meine lieben Enkelkinder,

Vielleicht kennt ihr ja schon meine Liebe für die Gartenarbeit. Wenn nicht, dann heißt das, dass eine über Generationen gepflegte Leidenschaft der Reiseners mit mir ihr abruptes Ende gefunden hat. Schade, aber wie meine Oma mütterlicherseits immer mit preußischer Nüchternheit zu sagen pflegte: “Da kann man nichts machen”.

Opa, werdet ihr jetzt sagen, komm endlich zum Punkt! Seit einem Jahr wohne ich mit Oma in einem kleinen Haus im Osten von Surabaya. Während die meisten unserer Nachbarn die Freifläche vor ihren Häusern zubetoniert haben, um ihre Autos darauf zu parken, haben sich unsere Vermieter dazu entschlossen, einen Garten anzulegen.

2Wachen
So ein Vorgarten zieht natürlich allerlei Missgönner an und deshalb sollte man zu allererst in eine gute Verteidigungsstrategie investieren. Glücklicherweise lebt Opa in einem Land voll religiös bedingter Hunde-Phobiker. Und so lässt Opa sein Anwesen Tag und Nacht von drei viel zu verspielten Vierbeinern bewachen. Ganz nebenbei lassen sich leere Hundefutterdosen ganz wunderbar zu Blumentöpfen umfunktionieren. Aber zurück zum Garten selbst.

Eine solide Basis haben meine Vermieter da geschaffen, aber Zierpflanzen sind nicht mein Ding und die Goldfische hat der Hund gefressen. Also habe ich mich dazu entschlossen, den Garten etwas zu erweitern. Hier eine kleine Zusammenfassung:

1. Avocado

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Wissenswertes: Die Avocadofrucht zählt zu den Beeren, die Pflanze selbst gibt es etwa seit dem 19. Jahrhundert in Indonesien und sie kommt ursprünglich aus Mexiko, wo sie bereits seit tausenden Jahren eine wichtige Rolle spielt.

Verwendung: Avocados sind sehr fettig und werden gerne zum kochen verwendet. Zum Beispiel für Sushi oder als Paste. Man kann sie aber auch einfach in einen Mixer mit Zucker, Milch und Eis tun. Ohne Frage Opas liebster Verwendungszweck.

Anbau: Der Kern der Frucht ist relativ groß, im Verhältnis zur Frucht selbst (zumindest bei der Sorte, die in Indonesien am häufigsten vorkommt). Ich habe einfach ein paar Kerne gesammelt und beim einpflanzen darauf geachtet, dass sie halb aus der Erde schauen. Nach ein paar Monaten hatte ich dann Setzlinge. Da Avocados an einem Baum wachsen, dauert es relativ lange, bis man zum ersten Mal ernten kann. Vielleicht, liebe Enkelkinder, verdonnern euch genau heute eure Eltern dazu, die Früchte von den Bäumen zu ernten, die ich einst pflanzte. Allerdings solltet ihr bei der Ernte genau darauf achten, dass ihr nur reife Früchte erntet, denn faule oder unreife Avocados schmecken bitter und wer will schon einen bitteren Milkshake. 
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2. Mango

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Wissenswertes: Stammt ursprünglich aus den Regenwäldern Asiens und hat sich inzwischen auch in Afrika, Süd-/Mittel- und Teilen Nordamerikas und Südeuropas als Kulturpflanze behauptet. Laut Wikipedia gibt es inzwischen mehr als 1000 verschiedene Sorten.

Verwendung: Hauptsächlich als Lebensmittel. Wie auch Avocado kann man auch aus Mango leckere Milkshakes herstellen. Aus dem Kern kann man außerdem Öl gewinnen, was bei der Herstellung von Kosmetik-Artikeln oder Schokolade wichtig ist.

Anbau: In der Regel dauert es nur ein paar Wochen, bis aus Mangokernen die ersten Triebe entstehen. Auch sonst wächst die Pflanze relativ schnell. Teilweise mehrere Zentimeter am Tag.

3. Orange

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Wissenswertes: Stammt aus China und Südostasien und etwa im 15 Jahrhundert ist die Orange, wie wir sie heute kennen, nach Europa gekommen.

Verwendung: Am liebsten presst Opa seinen eigenen Orangensaft. Manchmal nehme ich sie aber auch zum kochen oder ich esse sie einfach so.

Außerdem werden Orangen in der Industrie für Duftstoffe verwendet.

Anbau: Ich trockne die Kerne meistens bevor ich sie verpflanze. Nach zwei bis drei Wochen sind dann die ersten Triebe zu sehen.
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4. Honigmelone

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Wissenswertes: Gehört zu den Zuckermelonen und ist eine Art aus der Gattung der Gurken. Außerdem gehört sie zur Familie der Kirbisgewächse.

Verwendung: Eignet sich vor allem für den direkten Verzerr. Kann aber auch für Obstsalate verwendet werden

Anbau: Wächst überall dort, wo man Samen fallen lässt. Es dauert oft nur wenige Tage, bis die ersten Triebe zu erkennen sind.
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5. Chili

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Wissenswertes: Stammt ursprünglich aus Mittel und Südamerika. Durch den weltweiten Handel, der durch die Kolonialisierung der Welt entstanden ist, kam Chili auch nach Südostasien und ist seitdem ein fester Bestandteil der lokalen Kochkultur.

Verwendung: Vor allem zum Kochen. Eignet sich aber auch wunderbar für Mutproben. Wenn ihr es mal übertreiben solltet – Milch hilft. Opa macht am liebsten scharfe Soße aus Chili. Einfach Tomaten klein schneiden und in Öl zerkochen lassen. Anschließend viel Knoblauch, Zwiebeln, zwei bis drei kugelförmige Auberginen, Chili (kleinschneiden) und Pfeffer hinzu geben und für ein paar Minuten bei kleiner Flamme brodeln lassen.

Anbau: Nach ein bis zwei Monaten sollten die ersten Triebe zu erkennen sein. Die Pflanze selbst kann mehrere Jahre alt werden.

Viel Terror um nichts

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Hallo meine lieben Enkelkinder,

Ihr werdet euch sicher fragen, was Opa am 11. September 2001 gemacht hat, als die Anschläge in New York stattgefunden haben.

Ich habe damals Hausaufgaben gemacht. Welch eine Ironie. Am anderen Ende der Welt bricht mit ein paar einstürzenden Wolkenkratzern ein neues Zeitalter an und Opa ist mit Bruchrechnen beschäftigt.

Seitdem sind wir im Krieg, im Krieg gegen den Terror. Wir lassen unser komplettes Leben von schattigen Diensten durchleuchten und wir wählen Politiker, die mit immer neuen Sicherheitsgesetzen erfundene Gefahren bekämpfen.

Unsere Armeen bomben seit Jahren fremde Länder zurück in die Steinzeit. Die Menschen, die vor unserem Krieg fliehen lassen wir zu tausenden im Mittelmeer ertrinken oder auf dem Balkan erfrieren. Schaffen sie es doch zu uns und wir schieben sie nicht sofort ab, so treffen sie auf überforderte Kommunen und besorgte Bürger, die ihre Unterkünfte in Brand stecken.

Konnten wir mit unserem Krieg die Anschläge vom 13. November 2015 in Paris verhindern? Nein. Wir sind noch genauso verwundbar wie wir es 2001 waren. Krieg gegen den Terror hin oder her.

Ach meine lieben Enkel, ich weiß nicht, was diese Terroristen antreibt. Ich kann es mir nicht einmal vorstellen. Wenn es ihnen aber darum geht uns und unseren Krieg vorzuführen, dann haben sie gewonnen.

Übrigens weiß ich noch, was ich am 13. November 2015 während der Anschläge von Paris gemacht habe. Ich habe im Kino James Bond Spectre geguckt. Welch eine Ironie.

Bio auf Indonesisch

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Hallo meine lieben Enkelkinder,

Ich habe ja bereits von der Landflucht in Indonesien berichtet. Viele Menschen, die in die Stadt fliehen, sind Bauern und da es oft an anderen Verdienstmöglichkeiten mangelt, wird die heimische Ziegenzucht kurzerhand mit in die neue Heimat genommen. Natürlich sind die Weiden in der Stadt nicht ganz so grün und so ernähren sich die Tiere oft von dem, was die illegalen Mülldeponien so hergeben.
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Food-Court Chinatown

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Hallo meine lieben Enkelkinder,

Manchmal kommt mir meine Wahlheimat Indonesien etwas provinziell vor. Nicht dass in Indonesien zu wenig Menschen leben würden. Aber mir fehlt manchmal das internationale Flair. Indonesien ist nicht gerade bekannt als ein Land in das viele Menschen ziehen (wenn man einmal von den paar verwegenen Westeuropäern und Amerikanern absieht die von Indonesiern gemeinhin als “Bule” tituliert werden).

Singapur ist da von ganz anderem Schlage und hier leben viele asiatische Kulturen friedlich miteinander auf engstem Raum.

Das wird einem besonders dann bewusst, wenn man einen der zahllosen Food-Courts ansteuert, in man Indisch, Chinesisch oder Malaiisch essen gehen kann.

Interessanterweise bildet Chinatown eine Ausnahme von der Kulturellen Vielfalt. Hier wird man (egal ob Tourist oder nicht) zu erst auf Mandarin angesprochen und man trifft vor allem auf ältere Herrschaften (meist Männlich) die ihre Nachmittage im Gewirr zwischen Sitzbänken und Obstständen verbringen und Brettspiele miteinander spielen. Das Schöne ist – keine halbe Stunde mit der Ubahn entfernt liegt Little India indem es wiederum komplett anders aussieht.